Vor dem Kauf

Ein Deutscher Schäferhund wird einen viele Jahre begleiten und einen wichtigen Platz im Leben seines "Rudels" einnehmen. Deshalb sollte man sich vor dem Kauf bewusst sein, welche Aufgaben und Pflichten einen erwarten. Ein Deutscher Schäferhund ist ein verlässlicher Partner und Begleiter, doch er fordert von seinem Halter auch viel Zeit, Disziplin und ausreichende Beschäftigung.

Zeit

Reichlich Auslauf, Pflege und sinnvolle Beschäftigung – der Faktor Zeit ist für das Halten eines Hundes enorm wichtig. Deshalb sollte man seinen eigenen Alltag vor dem Kauf eines Hundes kritisch auf folgende zentrale Fragen prüfen:

  • Wer in der Familie kann bestimmte Aufgaben und Pflichten im Hundealltag übernehmen?

  • Kann man seinen Deutschen Schäferhund vielleicht sogar mit zur Arbeit nehmen?

  • Kann man die notwendige Zeit zur Beschäftigung und Ausbildung des Hundes aufbringen?

  • Werden sich meine Lebensumstände in naher Zukunft vielleicht ändern (Umzug, Heirat, etc.)?

Man sollte seinen Tages-, Wochen- und Jahresplan mit einem Hund also einmal genau durchplanen, um sicherzustellen, dass man seinen Hund immer optimal versorgen kann.

Kosten

Neben den Anschaffungskosten sollte man auch Faktoren wie Hundesteuer, Versicherungen, Futter, Tierarztkosten und Materialkosten (etwa für Spielzeuge, Halsbänder und Leinen) nicht unterschätzen. Diese permanent anfallenden Ausgaben sollte man deshalb immer in seine wirtschaftlichen Planungen einbeziehen. Ausserdem fallen in einem langen Hundeleben nicht selten auch einmal kostspielige Untersuchungen, Behandlungen und Operationen an. Daher schaden auch kleinere Rücklagen auf dem Sparbuch nicht.

Platz

Die Frage, wie viel Platz ein Deutscher Schäferhund benötigt, ist nur schwer zu beantworten. Mit seiner Grösse ist er sicherlich kein Hund für eine kleine Stadtwohnung, aber: Letztendlich kommt es vor allem auf die richtige Auslastung, soziale Kontakte und genügend Auslauf an. Wer ein grosses Grundstück besitzt, auf dem der Hund sich frei bewegen kann, auf dem er dafür jedoch immer auf sich gestellt ist, tut dem Hund auch keinen Gefallen. Wichtig: Es sollte immer einen klar defi nierten Rückzugsraum geben, in dem er ungestört ist. Auch eine Genehmigung des Vermieters, in der er die Hundehaltung gestattet, ist immer sinnvoll.

Gesetze und Steuern

Jeder Kanton schreibt seine eigenen Hundegesetze und Hundeverordnungen. Man sollte sich deshalb vorab informieren, welche für die Hundehaltung im jeweiligen Kanton und/oder der Stadt, wo man wohnt, gilt. Einheitlichkeit darf man hier (leider) nicht voraussetzen. Die Hundesteuer z. B. wird von den Gemeinden erhoben und ist von Ort zu Ort unterschiedlich. Auch wann man seinen Hund bei der Gemeinde anmelden muss, ist nicht einheitlich geregelt. Ebenso wenig wie die Regeln zur Ermässigung und Befreiung – etwa für Wach-, Dienst- oder Blindenhunde. Und zu guter Letzt sind auch die Fragen nach dem Nachweis von besuchten Hundekursen oder einer (Hundehalter-)Haftpflichtversicherung in den Kantonen nicht einheitlich geregelt.

Auswahl des Züchters

Der einfachste Weg, einen geeigneten Züchter zu finden, führt über die Homepage des Schweizerischen Schäferhund-Clubs (SC). Man sollte auf jeden Fall Besuchstermine mit einigen Züchtern vereinbaren und sich vor Ort einen Eindruck von den Hunden und den Anlagen machen. Sind die Zwinger sauber und die Hunde gepflegt? Wie reagieren die erwachsenen Hunde und die Welpen auf unbekannte Personen? Werden die Welpen vom Züchter auf Reize der Umwelt, wie etwa andere Tiere und Alltagsgeräusche, geprägt? Besonders wenn man noch unerfahren in der Hundehaltung ist, ist die Sozialisierung von Hunden beim Züchter ein erster wichtiger Baustein für einen verträglichen und belastbaren Familienhund. Auch sollten Züchter an Besuchern Interesse zeigen und nach Beruf oder Familienstand fragen, wenn er seine Schützlinge in beste Hände vermitteln will.

Aufgaben des Züchters

Welpen werden in der Regel zwischen der achten und zwölften Lebenswoche vermittelt. Schon vorher fängt ein Welpe aber an, seine Umwelt wahrzunehmen (zweite bis vierte Lebenswoche) und entwickelt seinen Erkundungsdrang (vierte bis achte Lebenswoche). Alles, was ein Welpe jetzt kennenlernt, prägt ihn für sein weiteres Leben. Deshalb ist die Prägung beim Züchter enorm wichtig und die Basis einer Mensch-Hund-Beziehung. Verantwortungsvolle Züchter machen Welpen mit Menschen sowie fremden Gerüchen und Geräuschen (z. B. Staubsauger) vertraut und bieten Welpen immer wieder neue Reize, wie etwa das Erkunden verschiedener Untergründe. Einen gut geprägten Welpen erkennt man daran, dass er bei einem Besuch unbefangen und selbstbewusst auf die Situation reagiert.

Der erste Kontakt

Wenn man einen Welpen beim Züchter aussucht bzw. aussuchen darf, ist Liebe auf den ersten Blick keine Seltenheit. Dennoch sollte man der Expertise des Züchters vertrauen, der die Hunde am besten kennt. Das betrifft auch die Einschätzung über das spätere Aussehen der erwachsenen Tiere, das für Laien nur schwer zu erkennen ist. Augen, Fell und Nase von Welpen sollten sauber und im Nabelbereich keine Beule (Hinweis auf Nabelbruch) zu sehen sein. Die charakteristischen Kippohren sind jedoch normal.

Welcher Hund passt zur mir?

Ob schüchtern und ruhig, mutig und selbstbewusst... der Züchter weiss Rat. Tatsächlich gibt schon das Verhalten der Welpen einen ersten Hinweis auf ihr späteres Wesen. Ein Welpe, der bei einem Besuch schüchtern zurückbleibt, wird vielleicht auch als erwachsener Hund zurückhaltend und möglicherweise etwas ängstlich sein. Natürlich gibt es auch unter Welpen schon echte Draufgänger, die sich todesmutig auf Schnürsenkel stürzen - ein möglicher Hinweis darauf, dass ein Hund im Erwachsenenalter mutig und dominant auftreten wird. Man sollte diese Situationen aber auch nicht überbewerten, denn meist ist man ja nur kurz zu Besuch und erlebt vielleicht eine Phase eines Welpens, die nicht typisch für sein sonstiges Verhalten ist. Unterstützung bei der Auswahl des Welpen erhält man natürlich vom Züchter, der einen guten Blick für seine Schützlinge hat und tendenziell auf das Wesen des erwachsenen Hundes schliessen kann.

Familien- und Sporthund

Vor dem Kauf ist es die Frage aller Fragen: Wünscht man sich einen Deutschen Schäferhund vorrangig als Begleiter für die Familie oder strebt man eine gemeinsame Karriere im Leistungs- oder Ausstellungssport an? Je nachdem, wie die Antwort auf diese Fragen ausfällt, lohnt es sich, sich vorab zu erkundigen, unter welchem Schwerpunkt ein Züchter arbeitet. Beim Deutschen Schäferhund ist die Unterteilung in
Leistungs- und Ausstellungstiere sehr weit fortgeschritten. Am besten schildert man seinem Züchter deshalb auch, welche Aufgaben ein Hund zukünftig übernehmen soll und er wird dann denjenigen Welpen vermitteln, der in seinem Wesen und seinen Anlagen bestmöglich zum neuen Besitzer passt.

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